Ja, lang ist es her, dass ich das letzte Mal von mir hören lassen habe. Ich muss leider gestehen, dass das natürlich nicht an einem Mangel an Erlebnissen, sondern vielmehr an meiner Unlust etwas zu Papier und auf den Bildschirm zu bringen liegt.
Tatsächlich ist einiges passiert in der letzten Zeit. Im Dezember haben die Kinder Zeugnisse bekommen und sind in die Ferien bzw. im Falle der Sechstklässler in die secundaría, die weiterführende Schule, entlassen worden. Von einigen meiner „Schäfchen“ musste ich mich also verabschieden und hab ihnen mit einer etwas festeren Umarmung ihre certificados überreicht. Da die Kurse, die ich gebe, außerhalb des regulären Schulunterrichts stattfinden, hab ich den Kinder also ein kleines buntes Zertifikat geschrieben auf dem dann auch ihre Note steht. Gerade die Kleinen waren stolz wie Oskar als sie das Papierchen dann in den Händen hielten.
Zwei meiner Gruppen haben vorgeschlagen, noch eine kleine Abschlussparty zu schmeißen und so hat dann jeder ein bisschen was mitgebracht: von Wackelpudding über Popcorn und Konfetti hinzu goldig schimmernder Inca-Kola war alles vertreten. Nur die Musik fehlte, da es ja keinen Strom in meinem Klassenzimmerkabuff gibt. Dem party feeling hat es dennoch keinen Abbruch getan.
Ein paar Tage vor Jesus 2000undsten Geburtstag hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht. Zurück nach Deutschland um wieder ein bisschen Kraft und Liebe zu tanken und mich zu besinnen – es heißt nicht umsonst besinnliche Weihnachtszeit. Ich bin also das erste Mal in meinem kleinen Leben in den Urlaub nach Deutschland geflogen, weil mich das Heimweh einfach nicht in Ruhe lassen wollte. Die Umstände bei meiner bisherigen Gastfamilie waren daran nicht ganz unschuldig, aber das ist eine andere Geschichte… .
So bin ich dann gut 12 Stunden nach Lima gefahren, dann zum Flughafen, habe dort gut 5 Stunden gewartet um dann nochmal 20 Stunden nach Madrid zu fliegen. Tja, Madrid ist bestimmt eine schöne Stadt(die ich mir bisher noch nicht angesehen habe) und hat einen vergleichsweise schönen Flughafen(den ich mir geschlagene 7 Stunden ansehen durfte), aber warum verdammt nochmal bekommen die es am Frankfurter Flughafen einfach nicht gesch…ippt? Nachdem das Iberia-Service-Team ganze Arbeit geleistet hat und uns im Halbe-Stunden-Takt auf die nächste spekulative Abflugzeit vertröstet hat, hob der Flieger dann doch noch ab um im tiiief verschneiten Frankfurt zu landen. Eine weiche Landung war das im meterhohen Pulverschnee.
Dank der kleinen Verspätung hab ich meinen Zug verpasst und bin spontan für 100 € Richtung Nienburg um dort nach gut 2 Tagen Durchreisen anzukommen.
Weihnachten hab ich dann ganz ruhig mit meinem Herrn Papa zuhause verbracht und bin über Silvester mit Lennart nach Dresden um Nora in ihrer neuen Heimat zu besuchen und den größtenteils geschlossenen Campus zu besichtigen. Schön war das. Im Januar kam dann noch die Freundin meines Vaters aus Schweden vorbei und Lennarts Geburtstag haben wir auch noch hübsch gefeiert und dazwischen habe ich durchgeatmet und gedacht: Es wird. Ich bin hier richtig, genau wie ich in Peru richtig sein werde. Auf der Suche und doch ganz nah bei mir. Gefunden habe ich schon eine Menge auf dem Weg zwischen Deutschland und Peru und mir selbst.
Und flupp war ich wieder zurück und hab mich erst einmal bei Stefanie, einer Freundin hier einzunisten und eine Wohnung zu suchen. Gar nicht so einfach hier in Ayacucho. Gefunden habe ich erst mal eine Menge einzelne Zimmer für Studenten, die allerdings allein schon deswegen nicht unbedingt geeignet waren, weil ich für Anfang Februar auch schon meine neue Kollegin Leonie erwarten sollte. Also bin ich Tag für Tag weiter durch die Straßen getigert und habe nach Zettelchen an den Häuserwänden der Gegend Ausschau gehalten – ohne Erfolg. Glücklicherweise hatte Stefanie mich schon an eine Kioskbesitzerin empfohlen, die in der Nähe ihrer Wohnung wohl ein paar Zimmer zu vermieten haben sollte. So bin ich zu dem kleinem netten Kiosk und habe meiner zukünftigen dueña ein bisschen Honig um den Mund geschmiert. Was, die Wohnung ist schon vergeben? Sicher? Ist denn der Mietvetrag schon unterschrieben? – Nein, aber es hätte sich schon eine Frau mit Katze interessiert. Wobei die Katze macht ja bestimmt nur Dreck und… – Ach so, ja also ich habe keine Katze und wir beide machen schon keinen Lärm und sind ganz umgänglich und nett und sowieso ist die Wohnung ja wunderschön, so tolle große Fenster und neu ist sie ja auch noch. So in etwa lief das ab und ich habe das erste Mal in meinem kleinen Leben einen Mietvertrag unterschrieben. Jetzt hatte ich also eine 2-Zimmer-Wohnung ohne Haustür, aber wie gesagt neu und hell, ohne Schimmel, ohne Kleinkind, ohne Katze, mit Hund und warmen Wasser. Bombe.
Die nächsten Tage hab ich schon mal mein gesamtes Mobiliar, ein Bett und eine Kommode, in das neue Domizil gebracht und hab schon mal ein paar Kleinigkeiten gekauft. Am 10ten Februar kam dann auch Leonie und wir haben schon mal eine Kochstelle, kleinen Tisch, zwei Stühle, eine Kommode und eine Matratze für ihr Zimmer, sowie eine Klobrille(was ein Luxus) angeschafft. Viel fehlt also nicht mehr, bis die Einweihungsparty vollzogen werden kann. Ein Kühlschrank und eine Spüle in der Küche wären prima.
Am 16ten stand eigentlich das Zwischenseminar der Weltwärts-Freiwilligen in Arequipa auf dem Plan. Normalerweise braucht man so 1 ½ Tage um von Ayacucho dorthin zu kommen, mit dem Bus nach Lima(10 Stunden) und von dort aus mit dem nächsten Bus nach Arequipa(16 Stunden). Ein Klacks müsste man denken, aber Pustekuchen. Es regnet.Nur regnet es so stark, dass auf Strecke von der Andenmetropole nach Lima, ein paar Felsbrocken und aufgrund der flüssigen Straßen auch der ein oder andere LKW verunglücken. Im Reisebüro verkauft man mir für teures Geld einen Flug, der am Dienstag um 10 Uhr morgens gehen soll. Habe ich schon erwähnt, dass es regnet? Der Flieger soll also erst am Nachmittag abheben. Mal sehen, wie ist das Wetter? Ach nein, lieber doch nicht, die Wolken sind zu riskant für die kleine Propellermaschine von LC Busre. Also trifft man sich am Dienstag um die gleiche Zeit. Es regnet.
Am Mittwoch um zehn also. Es regnet. Aber wie die letzten Tage gezeigt haben, wird das Wetter nachmittags ja besser. Es nieselt – ein gutes Zeichen. Die Fahrgäste werden durch die provisorische Sicherheitskontrolle gelotst und nach kurzer Wartezeit bekommt jeder eine kleine Pappschachtel und hübsche neonrote Ohrstöpsel in die Hand gedrückt und man klettert gutgelaunt und in Urzeithaltung in den Innenraum des Flugzeugs – eine Röhre von ca. 1,40 Meter Durchmesser. Jeder präpariert sich schon mal so gut er kann für die 1 ½ Stunden Flug, die Knie werden unters Kinn und die Stöpsel in die Ohren gesteckt. Der Pilot steigt zu und ruft mit einem verschmitzten Lächeln: Auf nach Lima! Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Zwinkernd setzt er sich in die erste Reihe vor das Panoramafenster(eine Pilotenkabine gibt es nicht) und startet den Motor, blickt nach oben, stellt den Motor ab und steigt aus. Während die einen lachend ihre Sachen zusammensammeln und im folgen prökeln die anderen, mich inbegriffen, noch irritiert ihre Ohren frei. Naja, immerhin haben sie uns unser Lunchpaket schon gegeben. Hah!, sagt mein Sitznachbar. Und dann, am Donnerstag, steht um 4:20 Uhr der Taxifahrer vor der Haustür und bringt mich zum Flughafen und um etwa halb elf erhebt sich der Flieger mit großem Getöse in andine Lüfte.
Fortsetzung folgt.










































































