Hace mucho tiempo

10 Mar

Ja, lang ist es her, dass ich das letzte Mal von mir hören lassen habe. Ich muss leider gestehen, dass das natürlich nicht an einem Mangel an Erlebnissen, sondern vielmehr an meiner Unlust etwas zu Papier und auf den Bildschirm zu bringen liegt.

Tatsächlich ist einiges passiert in der letzten Zeit. Im Dezember haben die Kinder Zeugnisse bekommen und sind in die Ferien bzw. im Falle der Sechstklässler in die secundaría, die weiterführende Schule, entlassen worden. Von einigen meiner „Schäfchen“ musste ich mich also verabschieden und hab ihnen mit einer etwas festeren Umarmung ihre certificados überreicht. Da die Kurse, die ich gebe, außerhalb des regulären Schulunterrichts stattfinden, hab ich den Kinder also ein kleines buntes Zertifikat geschrieben auf dem dann auch ihre Note steht. Gerade die Kleinen waren stolz wie Oskar als sie das Papierchen dann in den Händen hielten.

Zwei meiner Gruppen haben vorgeschlagen, noch eine kleine Abschlussparty zu schmeißen und so hat dann jeder ein bisschen was mitgebracht: von Wackelpudding über Popcorn und Konfetti hinzu goldig schimmernder Inca-Kola war alles vertreten. Nur die Musik fehlte, da es ja keinen Strom in meinem Klassenzimmerkabuff gibt. Dem party feeling hat es dennoch keinen Abbruch getan. :)

Ein paar Tage vor Jesus 2000undsten Geburtstag hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht. Zurück nach Deutschland um wieder ein bisschen Kraft und Liebe zu tanken und mich zu besinnen – es heißt nicht umsonst besinnliche Weihnachtszeit. Ich bin also das erste Mal in meinem kleinen Leben in den Urlaub nach Deutschland geflogen, weil mich das Heimweh einfach nicht in Ruhe lassen wollte. Die Umstände bei meiner bisherigen Gastfamilie waren daran nicht ganz unschuldig, aber das ist eine andere Geschichte… .

So bin ich dann gut 12 Stunden nach Lima gefahren, dann zum Flughafen, habe dort gut 5 Stunden gewartet um dann nochmal 20 Stunden nach Madrid zu fliegen. Tja, Madrid ist bestimmt eine schöne Stadt(die ich mir bisher noch nicht angesehen habe) und hat einen vergleichsweise schönen Flughafen(den ich mir geschlagene 7 Stunden ansehen durfte), aber warum verdammt nochmal bekommen die es am Frankfurter Flughafen einfach nicht gesch…ippt? Nachdem das Iberia-Service-Team ganze Arbeit geleistet hat und uns im Halbe-Stunden-Takt auf die nächste spekulative Abflugzeit vertröstet hat, hob der Flieger dann doch noch ab um im tiiief verschneiten Frankfurt zu landen. Eine weiche Landung war das im meterhohen Pulverschnee.  :) Dank der kleinen Verspätung hab ich meinen Zug verpasst und bin spontan für 100 € Richtung Nienburg um dort nach gut 2 Tagen Durchreisen anzukommen.

Weihnachten hab ich dann ganz ruhig mit meinem Herrn Papa zuhause verbracht und bin über Silvester mit Lennart nach Dresden um Nora in ihrer neuen Heimat zu besuchen und den größtenteils geschlossenen Campus zu besichtigen. Schön war das. Im Januar kam dann noch die Freundin meines Vaters aus Schweden vorbei und Lennarts Geburtstag haben wir auch noch hübsch gefeiert und dazwischen habe ich durchgeatmet und gedacht: Es wird. Ich bin hier richtig, genau wie ich in Peru richtig sein werde. Auf der Suche und doch ganz nah bei mir. Gefunden habe ich schon eine Menge auf dem Weg zwischen Deutschland und Peru  und mir selbst.

Und flupp war ich wieder zurück und hab mich erst einmal bei Stefanie, einer Freundin hier einzunisten und eine Wohnung zu suchen. Gar nicht so einfach hier in Ayacucho. Gefunden habe ich erst mal eine Menge einzelne Zimmer für Studenten, die allerdings allein schon deswegen nicht unbedingt geeignet waren, weil ich für Anfang Februar auch schon meine neue Kollegin Leonie erwarten sollte. Also bin ich Tag für Tag weiter durch die Straßen getigert und habe nach Zettelchen an den Häuserwänden der Gegend Ausschau gehalten – ohne Erfolg. Glücklicherweise hatte Stefanie mich schon an eine Kioskbesitzerin empfohlen, die in der Nähe ihrer Wohnung wohl ein paar Zimmer zu vermieten haben sollte.  So bin ich zu dem kleinem netten Kiosk und habe meiner zukünftigen dueña ein bisschen Honig um den Mund geschmiert. Was, die Wohnung ist schon vergeben? Sicher? Ist denn der Mietvetrag schon unterschrieben?  – Nein, aber es hätte sich schon eine Frau mit Katze interessiert. Wobei die Katze macht ja bestimmt nur Dreck und…  – Ach so, ja also ich habe keine Katze und wir beide machen schon keinen Lärm und sind ganz umgänglich und nett und sowieso ist die Wohnung ja wunderschön, so tolle große Fenster und neu ist sie ja auch noch. So in etwa lief das ab und ich habe das erste Mal in meinem kleinen Leben einen Mietvertrag unterschrieben. Jetzt hatte ich also eine 2-Zimmer-Wohnung ohne Haustür, aber wie gesagt neu und hell, ohne Schimmel, ohne Kleinkind, ohne Katze, mit Hund und warmen Wasser. Bombe.

Die nächsten Tage hab ich schon mal mein gesamtes Mobiliar, ein Bett und eine Kommode, in das neue Domizil gebracht und hab schon mal ein paar Kleinigkeiten gekauft. Am 10ten Februar kam dann auch Leonie und wir haben schon mal eine Kochstelle, kleinen Tisch, zwei Stühle, eine Kommode und eine Matratze für ihr Zimmer, sowie eine Klobrille(was ein Luxus) angeschafft. Viel fehlt also nicht mehr, bis die Einweihungsparty vollzogen werden kann. Ein Kühlschrank und eine Spüle in der Küche wären prima.

Am 16ten stand eigentlich das Zwischenseminar der Weltwärts-Freiwilligen in Arequipa auf dem Plan. Normalerweise braucht man so 1 ½ Tage um von Ayacucho dorthin zu kommen, mit dem Bus nach Lima(10 Stunden) und von dort aus mit dem nächsten Bus nach Arequipa(16 Stunden). Ein Klacks müsste man denken, aber Pustekuchen. Es regnet.Nur regnet es so stark, dass auf Strecke von der Andenmetropole nach Lima, ein paar Felsbrocken und aufgrund der flüssigen Straßen auch der ein oder andere LKW verunglücken. Im Reisebüro verkauft man mir für teures Geld einen Flug, der am Dienstag um 10 Uhr morgens gehen soll. Habe ich schon erwähnt, dass es regnet? Der Flieger soll also erst am Nachmittag abheben. Mal sehen, wie ist das Wetter? Ach nein, lieber doch nicht, die Wolken sind zu riskant für die kleine Propellermaschine von LC Busre.  Also trifft man sich am Dienstag um die gleiche Zeit. Es regnet. :) Am Mittwoch um zehn also. Es regnet. Aber wie die letzten Tage gezeigt haben, wird das Wetter nachmittags ja besser. Es nieselt – ein gutes Zeichen. Die Fahrgäste werden durch die provisorische Sicherheitskontrolle gelotst und nach kurzer Wartezeit bekommt jeder eine kleine Pappschachtel und hübsche neonrote Ohrstöpsel  in die Hand gedrückt und man klettert gutgelaunt und in Urzeithaltung in den Innenraum des Flugzeugs – eine Röhre von ca. 1,40 Meter Durchmesser. Jeder präpariert sich schon mal so gut er kann für die 1 ½ Stunden Flug, die Knie werden unters Kinn und die Stöpsel in die Ohren gesteckt. Der Pilot steigt zu und ruft mit einem verschmitzten Lächeln: Auf nach Lima! Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Zwinkernd setzt er sich in die erste Reihe vor das Panoramafenster(eine Pilotenkabine gibt es nicht) und startet den Motor, blickt nach oben, stellt den Motor ab und steigt aus. Während die einen lachend ihre Sachen zusammensammeln und im folgen prökeln die anderen, mich inbegriffen, noch irritiert ihre Ohren frei. Naja, immerhin haben sie uns unser Lunchpaket schon gegeben. Hah!, sagt mein Sitznachbar. Und dann, am Donnerstag, steht um 4:20 Uhr der Taxifahrer vor der Haustür und bringt mich zum Flughafen und um etwa halb elf erhebt sich der Flieger mit großem Getöse in andine Lüfte.

Fortsetzung folgt. ;)

Matrimoño

21 Nov

Meine Lieben,

hier nur ein paar Fotos, die schon etwas älter sind, aber dafür umso bunter. Ganz am Anfang meiner Reise war ich auf einer Hochzeit. Vielmehr gibt es dazu auch nicht zu sagen, außer: es gab ein paar wirklich tolle traditionelle Tänze zu sehen.

 

Lima ist doch ganz prima

10 Nov

Einen Tag hab ich mir freigenommen. Die Reaktion: „Warum warst du am Freitag nicht da, ticher?“ -„Warst du krank?“ -„Bestimmt im Urlaub, oder?“ -„Visum, was ist das?“        „Das ist ein Blatt Papier, das ich brauch um in Peru bleiben zu dürfen. Sonst muss ich ruckzuck zurück nach Deutschland, weil ich dann illegal hier bin.“         Große Augen. „Wow, illegal… .Was hast du denn gemacht, ticher?!“

Nicht einfach, das Ganze. Einige Kinder denken wahrscheinlich trotz meiner Erklärungsversuche jetzt noch ich hätte Kokablätter geschmuggelt oder etwas ähnlich böses verbrochen.

Tatsache ist, dass wir Peru-Freiwilligen erstmal nur ein 90-Tage-Visum bekommen haben und dieses jetzt höchstpersönlich in Lima verlängern mussten. Also hab ich mich spät abends mit dem Nachtbus auf den Weg gemacht um morgens dann „pünktlich“ in la capital zu landen. Der doppelstöckige Super-Duper-Riesenbus musste aber ein- oder zweimal anhalten, weil der Nicht-So-Super-Duper-Riesenmotor überhitzt war. Also kam ich dann mit läppischen drei Stunden Verspätung an und hab mich auf die Suche nach Nico und Ernesto gemacht, die mich am Busbahnhof abholen wollten. Die Jungs haben allerdings unglücklicherweise genau an dem anderen, zweiten Busbahnhof gewartet – also ins Taxi und Nico eine gefüllte Ewigkeit rund um ein ziemlich gewaltiges Krankenhaus gesucht und gefunden. Hallo Lima, ich bin da! Kaum zu glauben, aber wahr.

In der Jungs-WG in der Ernesto, Flo und Fabian alle freiwillig (und Freiwillige) zusammen wohnen, hab ich dann auch Alina und Nele wiedergesehen und wir sind losgezogen um nochmal eben ein Anzugsfoto von Nico schießen zu lassen. Nico hat keinen Anzug, aber das macht ja nichts, wenn man den noch eben per Photo Shop anziehen kann. Das geht auch fürs Visum und kostet nicht mal extra! Mir haben sie die Haare geglättet, die waren wohl zu buschig an dem Tag, als ich mein Foto hab machen lassen. Beim DED-Büro angekommen, haben sich dann meine Ängste, ich hätte was ganz Wichtiges bei meinen Unterlagen vergessen verflüchtigt. Die anderen hatten auch keine unlösbaren Probleme. Ganz nach dem Bauarbeiterprinzip: Was nicht passt… .

Wir Mädels haben uns dann zu dritt auf eine kleine Entdeckungstour durch die Stadtteile Miraflores und Barranco begeben. Erstes Ausflugsziel, Miraflores, ist ein ganz nettes, soll heißen ziemlich touristisches Viertel mit McDonald‘s(übrigens der erste den ich in Peru gesehen habe), palmenbeflanzten Sportanlagen und einem großen überteuerten Einkaufszentrum. Schön anzusehen waren allerdings die Blümsche – ob das wohl mit dem Namen zusammenhängt ? ;) , der Parque del Amor und der graublaue Pazifik inklusive Surfern. Der besagte Park lag mehr oder weniger am Wasser, beziehungsweise an einem meeeterhohen Abhang der unter uns im Strand endete. Entlang einer mit mosaikbesetzten Mauer gab es jede Menge Zitate zum Thema Liebe und die Namen von berühmten literarischen Liebespaaren – Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Susi und Strolch, Dick und Doof – zu lesen. Wir hätten sogar paraglyden können, aber als sich der Preis dafür zur allseitigen Enttäuschung von S/7,50 mit einem Mal auf S/150 erhöht hat, haben wir uns dann mit je einem Eis und einer fröhlichen kleinen Fotosession am Leuchtturm zufriedengegeben.

Barranco war da schon ein etwas anderes Pflaster. Die prima Seite von Lima, in meinen Augen. Die Altstadt mit vielen, vielen(sogar restaurierten) Kolonialbauten und einer „Wunschbrücke“, die ich mit angehaltenem Atem, nur blöderweise ohne vorher Luft zu holen, erfolgreich passiert habe.

Am Samstag stand dann das Zentrum auf dem Plan. So viel haben wir uns dort dann nicht angesehen, aber bis auf ein paar Vorzeigemuseen und die Plaza de Armas gab dort scheinbar auch nicht. Wir haben dann das Monasterio de San Francisco de Asís zusammen mit einigen anderen Touris und einem weiblichen guide besichtigt. Die Tour war auf Spanisch und die Dame machte den Eindruck, als hätte sie noch was ganz Wichtiges zu erledigen und hat zumindest auch mich recht flott mit ihren heruntergeratterten Ausführungen erledigt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist sind die tolle, „koloniale“, 20.000 Bücher starke Bibliothek, das schnell noch nach seinem Tod gefertigte Portrait vom Franz und natürlich die Katakomben. Dort unten seien wohl immerhin 70.000 Menschen „beigesetzt“ worden. Derangiert trifft es vielleicht besser: die Leichen wurden auseinandergenommen und nach Körperteilen geordnet. Hier die Oberschenkel, da der Kopf und dort die Hüfte– es muss ja alles seine Ordnung haben. Einige scheinbar auserwählten Schädel und Gliedmaßen hat man dann zu einem niedlichen Mandala zusammengelegt. Nele hat einen Sparschweinschädel entdeckt. Der hatte also was Besonderes. Ich frage mich wie die ganzen antiken Katholiken, dann vor der Himmelspforte standen. Die mussten sich nach dem Schock wahrscheinlich erstmal sammeln… :) Zum Abschluss hab ich mir noch einen winzigen kulinarischen Exkurs in die criollische Küche gegönnt und eine Art Kartoffelbreischnecke, besser kann ich es nicht beschreiben, probiert. Der Genuss hielt sich in Grenzen, aber ich bin mir sicher, dass es ganz viel anderes leckeres criollisches Essen gibt. Ein anderes Mal.

Abends sind wir in einer großen Gruppe dann nochmal nach Barranco um ein bisschen zu feiern. Dort hat uns dann erstmal ein nach eigener Aussage australischer Österreicher angesprochen und wohl behauptet, ihm wurden am Strand alle seine Sachen gestohlen und er brauche Geld. Der Strand war weit, weit weg und der Typ voll bekleidet. Nach langem Laufen haben wir dann eine Bar betreten in der es weitere komische Leute, aber ganz nette Musik und bezahlbare Getränke gab. Leider hat keiner getanzt. Um halb sechs waren wir wieder in der WG, um sieben musste ich wieder aufstehen um den Bus zurück in die Berge zu bekommen. Die kurze Nacht würde mir helfen die 10 Stunden Busfahrt zu schlafen. So der Plan. Das hat nicht geklappt, aber als Entschädigung gabs mal wieder ein paar Alpakas und einen misteriösen 20-Grad-Gletscher zu sehen.

Bis hierhin und ein paar Fotos obendrauf!

Vor meinem Fenster

28 Okt

Ich hab eben eine kleine Überaschung erlebt: direkt vor meinem Fenster steht ein Baum. Das ist ja an sich noch nicht so wahnsinnig spektakulär, aber eben hat ein kleiner grüner Kolibri diesen Baum besucht. Es ist das erste Mal, dass ich hier einen sehe und ich war nicht darauf gefasst. Ich wusste garnicht, dass es die Süßen hier in Peru gibt. In Arizona hatten wir zwar auch welche im Garten, aber auch da war es immer ein kleines Highlight einen zu Gesicht zu bekommen. Es ist einfach faszinierend, dass sie scheinbar bewegungslos in der Luft schweben. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man das Flackern links und rechts vom Körper, dass ihr schneller Flügelschlag auslöst. Und allein die Tatsache, dass sie so klein und grazil sind… . Ich fürchte, ich hab mich neu verliebt!

Das Centro

8 Okt

Hier nur ein paar Eindrücke vom centro, der Innenstadt Ayacuchos.

Erste Fiesta in Perú

4 Okt

Neulich wurde ich entführt. Eines schönen Abends steht ein Jeep vor der Tür, Kusy springt aus der Tür, rennt ins Haus, sieht mich und ruft: „Komm Lara, wir fahren zu Gaby – schnell!“. Und schon sitze ich auf dem Rücksitz eines mir unbekannten Bekannten Kusys und ab gehts in Richtung irgendwo. Nachdem wir bei circa 20 kleinen Läden halten um Batterien für die Kamera zu besorgen, erklärt sich mir der Aufwand allmählich als wir vor etwas aussteigen, was auf den ersten Blick wie die Neverland Ranch scheint und sich auf den zweiten als eine umfunktionierte Garage entpuppt. Hier steigt die Party.
Entlang der Wände stehen Plastikstühle auf der viele aufgedrehte Kinder(hauptsächlich Mädchen) sitzen und mit vor Aufregung glühenden Gesichtern auf den Clown in der Mitte des Raumes starren. Gaby kommt mir entgegen und setzt mich auf einen Stuhl im Getümmel. Doch offiziell begrüßt werde ich von dem buntgesichtigen Herrn in Streifenhose: „ Ach, da haben wir ja auch unsere lebende Barbie. Schaut auch die blonden Haare an!“. Lautes Gelächter. Danke für den Vergleich, sehr schmeichelnd.
Weiter hinten nehme ich gerade noch die Eltern und ein pink-rosa dekoriertes Buffet aus einer Disney-Prinzessinnen-Traumschloss-Torte , Unmengen Süßigkeitentellern(mit Prinzessinnenmotiv) mit Bonbons und Karamell, regelrechte „Bäumchen“ aus Prinzessinnen-Popcorntüten und einem überdimensionalen Feliz-Cumpleaños-Schriftzug von Dornröschen und Konsorten wahr. Eine Barbie, die mir bis zur Hüfte geht, entdecke ich auch. Sie baumelt erhängt in einer Art Torbogen auf einem Papppodest. Diese brutale Deko soll sich mir erst später erklären.
Zunächst einmal beobachte ich, wie der Clown die Kinder Kleider einsammeln lässt. In zwei Gruppen von je zwei Mädels wird mal um Gürtel, mal um Pullis etc. gebettelt. Die Gruppe die nach Ablauf von Shakiras „Wacka Wacka“ dann die meisten Kleidungsstücke beisammen hat gewinnt. Gerade entschließe ich mich auch eine Klamotte zu spenden, da wechselt das Ganze zu Hosen und den kleineren Teilnehmern werden unter lautem Kreischen die pantalones entwendet. Na gut, ich setze aus, sonst steh ich auch gleich in Unterböchs da.
Schon will ich durchatmen, da ruft mich der Clown auf, ich soll ihm bei einem seiner Zaubertricks behilflich sein. Nach kräftigem Hüftgewackel, welches wir dann gemeinsam zur Belustigung der Kinder absolvieren und einem Schwenk mit dem berühmt-berüchtigten Zaubertuch, kommt eine reichlich zerfledderte kleine weiße Taube zum Vorschein – bravo. Armes Ding. Aber Tierliebe kennt man in Perú so nicht, Respekt ist häufig schon fehl am Platz, denn schließlich haben Tiere ihren Nutzen(oder eben keinen).
Jetzt soll sich auch das Mysterium um das Barbie-Podest aufklären. Der unterhaltsame Kerl schnappt sich es und mit einem Plastikbaseballschläger wird der Reihe nach kräftig drauf eingeprügelt. Das häßliche Teil ist doch wirklich eine piñata. Doch bevor das Podest sich öffnet um Süßigkeiten regnen zu lassen, löst sich die Barbie von ihrem Strick und fliegt im hohen Bogen durch den Raum. Was solls, hier wird nur noch blind um sich geschlagen und als die Bombe platzt, kriechen sowohl Kinder wie Eltern auf dem Boden um zu sammeln was das Zeug hält.
Bevor der Kuchen zerteilt und gerecht geteilt wird, findet noch eine große photo session hinter ihm statt, sodass das gute Stück, ebenso wie das geschminkte, in ein Minihochzeitskleid gehüllte achtjährige Geburtstagskind, auch in Erinnerung bleibt. Ich werde wohl auch irgendwo im Geburtstagsalbum stecken. Die lebensgroße Barbie, die wie Godzilla hinter dem Tortenschloss hervorragt, ja das bin dann wohl ich.

Das Klima in Lima und die ersten Tage in Ayacucho

4 Okt

So hier ist er, mein erster Blogeintrag. Am Montag hieß es endgültig Abschied nehmen und mit gerade mal einem kleinem Köfferchen und einem frischen Trekkingrucksack gings per Zug nach Frankfurt zum Flughafen. Dort angekommen hab ich gleich schon „alte Bekannte“ getroffen, das heißt Nele und Alina, die ich schon vom Vorbereitungsseminar in Bremen kenne. Die beiden hatten jeweils noch ihre Familien mitgebracht, die sich dann unter Tränen von ihnen verabschiedet haben. Das hat mich dann noch mal ganz schön getroffen. Der Flug über Madrid nach Lima ging erstaunlich schnell vorüber, aber die meiste Zeit hab ich auch selig geschlafen.
In Lima sind die beiden Mädels dann weiter nach Arequipa und ich wurde herzlich von Gabriela, der Tochter meines Projektleiters empfangen, die mich in ein Hostel im Zentrum begleitet hat. Die nächsten eineinhalb Tage hat sie mir ein bisschen was von der kalten und, laut ihrer Aussage, immer bewölkten Hauptstadt gezeigt. Was ich erlebt habe ist wirklich eine wilde Mischung aus bunt und grau, Diesel- und Essensgeruch, wie repräsentativem Hochglanz und offensichtlicher Armut. Während die Museen und großen Plätze, wie die unheimlich saubere und polizeilich streng bewachte Plaza de Armas mit dem Präsidentenpalast und großer Kathedrale, frisch renoviert und in leuchtenden Farben wie aus dem Bilderbuch bzw. Reiseführer wirken, begegnen einem auf der Straße viele bettelnde Menschen und viel Müll. Auch im Barrio Chino waren wir, wo die Dinge noch billiger sind, als für europäische Verhältnisse sowieso schon in Perú. Das besondere hier allerdings war, das anders als in den China Towns, die ich aus den U.S.A. kenne, nun mal ausschließlich Peruaner dort anzutreffen waren – nicht ein Chinese.
Ja, spät abends gings dann in einem verdammt bequemen Bus über Nacht ca. 11 Stunden Richtung Anden nach Ayacucho. Dort angekommen wurden wir von Unmengen Regen und Matsch begrüßt. Ordentlich durchgefroren und pitschepatschenass wurde ich dann zunächst Loida und Kusy, den beiden anderen Töchtern von Sñ. Rojas(dem Projektleiter) und Shiphrah, Kusys einjährigem Nachwuchs vorgestellt, die mich vorerst nur skeptisch beäugte. Dann gabs erst mal Frühstück, das heißt heiße Ziegenmilch mit Haferflocken und Zucker und pan champla(ayacuchanische kleine hole Brötchen – jamjamjam).
Die ersten drei oder vier Tage hatte ich also Zeit mich daran zu gewöhnen, dass im Haus trotz der Sonne, die sich seit dem ersten und bisher einzigen Regentag jetzt regelmäßig blicken lässt, immer Pulloverwetter ist, an die kalte Dusche und daran, meine Wäsche im Hof mit einem Stück Seife zu waschen. Auf der Straße merke ich besonders, dass ich hier doch recht fremd bin. Von allen Seiten neugierige Blicke und der kleine kichernde alte Mann neulich auf der feria(eng mit Ständen besetzter Markt auf dem man wirklich alles kaufen kann – vom typischen Fischgericht ceviche bis zum Kätzchen) ist nicht der einzige, der „gringa“ flüstert.
In der Schule erwarteten mich schon viele aufgeregte Kinder, denen natürlich sofort klar war, dass ich ihre neue Englischlehrerin bin. Eben noch völlig unbekannt, verbreitet sich die Botschaft ruckizucki und ich bin von mich stürmisch umarmenden kleinen Mädels umringt. Das haut einen dann schon ein bisschen um – aber schön ist es auch. Der nächste Eindruck meines neuen Arbeitplatzes waren einen Tag später die Schüler in Reih und Glied, wie sie Hacken aneinander schlagen und stramm stehen, als ein paar uniformierte Sechstklässler, die Beine bis zum Kinn, an ihnen vorbeimarschieren um die Nationalflagge zu hissen. Und dann werd ich auch schon offiziell vorgestellt.
Der Unterricht wiederum ist weniger gezwungen. Mein Klassenraum lässt sich am ehesten als so gut es geht hergerichtete Abstellkammer bezeichnen, die aber besonders von meiner Vorgängerin Carina liebevoll mit „Vokabelbildern“ und Plakaten geschmückt wurde. Die niños sind…aufgeweckt, das trifft es vielleicht am besten. Bei einigen artet das dann in Arbeitseifer aus(malen kommt immer gut), bei anderen in Raufereien und anderem unkontrollierten Bewegungsdrang. Mit meinem Englisch muss ich aufpassen: die phonetischen Überbleibsel meines USA-Austauschs sind für die Kleenen manchmal gänzlich unverständlich. Also wird jetzt auch im Englischen das R gerrrrrollt. Schwierig wird es aber in erster Linie auf organisatorischer Ebene, da ich Kopien, Kleber und andere Unterrichtmaterialien brauche, die die Schule aufgrund von Geldmangel nicht stellen kann. Da müssen wir uns nochmal was überlegen…
Bis hierhin erstmal – eine schwere und langwierige Geburt bei meiner Schreibfaulheit.

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